03.04.2020 Corona-Krise: Aktueller Stand im Landkreis

Fallzahlen verdoppelt, aber nicht vervielfacht

In der vergangenen Woche, seit Donnerstag, 26.03.2020, hat sich die Zahl der am CoronaVirus erkrankten Einwohnerinnen und Einwohner von 311 auf jetzt 582 nahezu verdoppelt. „Im schlimmsten Fall war eine Vervielfachung der Zahl an Infizierten zu befürchten, was aber so nicht eingetreten ist.“, schreibt Landrat Gerhard Bauer in seinem jüngsten Informationsbrief an die Kreistagsmitglieder. „Dies zeigt meiner Ansicht nach, dass die von staatlicher Seite  von Bund und Land, dem Landkreis und den Städten und Gemeinden - getroffenen umfangreichen Schutzmaßnahmen greifen, aber auch, dass sie von unserer Bevölkerung und unserer Wirtschaft in der ganz großen Mehrzahl gewissenhaft beherzigt und eingehalten werden. Dafür bin ich überaus dankbar.“

Sicherlich habe auch die schnelle und konsequente Information der Kontaktpersonen von Infizierten durch das personell aufgestockte Gesundheitsamt dazu beigetragen, dass der Virus in vielen Fällen nicht weitergetragen wurde, sondern sich betroffene Personen rechtzeitig in häusliche Quarantäne begeben konnten, schreibt Landrat Bauer weiter. „Auch für das verantwortungsbewusste Verhalten während der Quarantäne danke ich allen Betroffenen ganz herzlich.“

Dass die Fallzahlen nicht „explodiert“ seien und die Kurve tatsächlich flacher gehalten werden konnte, sei aus seiner Sicht eine durchaus ermutigende Situation, so der Landrat. Zurücklehnen dürfe man sich aber noch lange nicht. Der vom 01.04. auf 02.04.2020 festgestellte Anstieg der Infizierten um weitere 50 Personen sei noch immer zu hoch.

Grafik: Infizierte und neu infizierte (PDF)

„Gerade jetzt vor den Osterfeiertagen und angesichts des wärmeren Frühlingswetters ist es notwendig, dass unsere Gesellschaft weiterhin Disziplin und Verantwortungsbewusstsein zeigt, auch wenn es in dieser Zeit besonders schwer fällt.“, appelliert der Chef der Kreisverwaltung. „Wir dürfen in unserem Verhalten, in unserer Solidarität und Rücksichtnahme und in unseren getroffenen Maßnahmen nicht nachlassen, wenn wir eine neue Ansteckungswelle verhindern wollen. Denn die traurige Wahrheit ist, dass wir aufgrund der Virus-Infektion bereits 15 Verstorbene im Landkreis betrauern müssen.“
Es gebe aber auch Erfreuliches zu berichten: Inzwischen 186 infizierte Menschen im Landkreis seien wieder vollständig genesen.

Landrat Bauer betont, dass in dieser Krisensituation weiter unvermindert mit allen Kräften daran gearbeitet werde, die weitere Verbreitung des Virus einzudämmen und die Zahl der neu infizierten Menschen zu senken. Dies weiterhin in enger Abstimmung mit der Kreisärzteschaft, den Rettungsdiensten, den Kliniken und den Städten und Gemeinden.

Zum derzeitigen Stand und den aktuellen Entwicklungen informiert der Landrat:

Tägliche Lagebesprechung und regelmäßige Sitzungen des Koordinierungsstabs
Die Verwaltungsspitze des Landratsamts trifft sich weiterhin täglich zu Lagebesprechungen. Der Koordinierungsstab mit Vertretern/innen der Landkreisverwaltung, der Kreisärzteschaft, der Kliniken, der Städte und Gemeinden und der Rettungsdienste tagt weiter in regelmäßigen Abständen. Inzwischen ist der Teilnehmerkreis um einen Vertreter der Bundeswehr erweitert. Dies insbesondere im Hinblick auf die Bereitstellung von Material, Geräten und Transportmöglichkeiten.
Auf Anregung aus dem Koordinierungsstab hat Landrat Bauer inzwischen dazu aufgerufen, dass die besonders gefährdete ältere Bevölkerungsgruppe zu ihrem eigenen Schutz ihre Einkäufe möglichst zu Zeiten erledigen solle, in denen weniger Berufstätige einkaufen, also werktags von 9 bis 11 und von 14 bis 16 Uhr.

Einrichtung von Fieberambulanzen
Die beiden seit dem 19.03.2020 eingerichteten „Drive-in“-Abstrichzentren in Crailsheim und in Michelfeld haben sich in der Praxis bewährt und der Betrieb funktioniert reibungslos. Übergeführt werden die Abstrichzentren nun in die Fieberambulanzen, die von der Kassenärztlichen Vereinigung in Zusammenarbeit mit den Kreisärzteschaften eingerichtet werden. Der Landkreis stellt für diesen Zweck Räume in der Straßenmeisterei in Michelfeld und im EDT-Gebäude in der Flügelau 36 in Crailsheim zur Verfügung. Die Fieberambulanzen entlasten die Hausarztpraxen um die infektiösen Patienten und sorgen somit dafür, dass in den Hausarztpraxen das Risiko einer Ansteckung von Patienten - insbesondere Hochrisikopatienten - und Personal deutlich reduziert wird. Im Gegensatz zu den „Drive-in“-Zentren, wo ausschließlich Abstriche genommen werden, können die Patienten in den Fieberambulanzen auch untersucht werden. Für den geordneten Betrieb ist eine vorherige Überweisung nach telefonischer Kontaktaufnahme mit dem Hausarzt notwendig.

Gesundheitsamt
Ein Pflegeheim in Schrozberg und ein Pflegeheim in Frankenhardt mussten vom Landratsamt unter Quarantäne gestellt werden. Außerdem mussten eine Wohngruppe in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderungen und 2 Außenwohngruppen im Sonnenhof in Schwäbisch Hall vom Landratsamt unter Quarantäne gestellt werden. Dies betrifft jeweils sowohl die Bewohner/innen als auch die Mitarbeiter/innen.
Aufgrund der Entwicklung der Fallzahlen wurde verwaltungsintern das Personal im Gesundheitsamt weiter massiv aufgestockt. Inzwischen sind 86 Mitarbeiter/innen für die Kontaktpersonennachverfolgung, für die Info-Hotline und für die Entlastung von administrativen Aufgaben ins Gesundheitsamt abgeordnet. Die Info-Hotline des Gesundheitsamts Tel. 0791 755 7400 steht weiterhin werktags von 9 – 18 Uhr und am Wochenende von 10 – 16 Uhr zur Verfügung.

Landkreisverwaltung
Der Dienstbetrieb der Landkreisverwaltung wurde bereits für den öffentlichen Publikumsverkehr geschlossen. Anliegen und Anträge werden weitestgehend elektronisch, telefonisch und schriftlich bearbeitet. Auch in der Belegschaft der Landkreisverwaltung gibt es Betroffene, die sich derzeit in häuslicher Quarantäne befinden. Wo möglich, arbeiten Mitarbeiter/innen vom Home-Office aus oder die Mitarbeiter/innen wurden so umgesetzt, dass die erforderlichen Abstände eingehalten werden können. Wo Kontakte mit Personen nach Vereinbarung stattfinden, z. B. im Bereich der Zulassungsstelle, wird auf die Einhaltung der Abstands- und Hygienevorgaben hingewiesen. In Empfangs- oder Schalterbereichen wurde die Montage von Plexiglas-Schutzscheiben veranlasst.
In den Flüchtlingsunterkünften ist bisher keine bestätigte Corona-Infektion aufgetreten. Auch hier wird an Möglichkeiten gearbeitet, evtl. künftig betroffene Personen räumlich isolieren zu können.

Klinische Versorgung im Landkreis
Die Kliniken kommen zurzeit an ihre Kapazitätsgrenzen. Noch können sie ihrem Versorgungsauftrag gerecht werden, aber die Lage spitzt sich zu. In beiden Häusern gibt es Ausfälle wegen Mitarbeitern/innen, die selbst in häuslicher Quarantäne sind.

Medizinische Infrastruktur
Der Nachschub an Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln für die Arztpraxen, Senioren- und Pflegeheime, Behinderteneinrichtungen u.a. wird über das DRK zentral organisiert.

Am 26.03.2020 hat Landrat Bauer die Unternehmen im Landkreis angeschrieben, ob diese aus ihren Lagerbeständen Schutzkleidung zur Verfügung stellen können. Die Rückmeldungen werden ans DRK weitergeleitet.

Weiter hat Landrat Bauer dazu aufgerufen, dass sich freiwillige Helfer/innen mit medizinischen Vorkenntnissen bei der Verwaltung melden sollen, um rechtzeitig auf steigende Fallzahlen vorbereitet zu sein. Ein entsprechendes Kontaktformular ist auf der Internetseite des Landkreises eingestellt. Die Meldungen gehen zentral bei der Gesundheitsmanagerin des Landkreises ein. Das Diakoneo Diak Schwäbisch Hall hat einen eigenen Aufruf gestartet.

In Michelfeld und in Crailsheim werden zwei für die Unterbringung von Flüchtlingen nicht mehr benötigte Gebäude vorbereitet, um hier Patienten unterbringen zu können, die nicht am Corona-Virus erkrankt sind, aber einer Pflege bedürfen oder die sich im häuslichen Umfeld nicht selbst versorgen können. Damit der Betrieb gelingen kann, werden auch für diesen Einsatzbereich dringend freiwillige Hilfskräfte gebraucht. Eine bei der Landkreisverwaltung eingerichtete Arbeitsgruppe kümmert sich um die Klärung der logistischen Fragen.

Soziales und Jugend
Das Seniorenbüro des Landkreises hat eine Liste aller bekannten Hilfsangebote in den Städten und Gemeinden des Landkreises zusammengestellt. Zum Schutz vor allem der älteren Bevölkerung übernehmen Freiwillige z. B. Einkäufe oder Apothekengänge. Die Liste wird regelmäßig aktualisiert und steht auf der Internetseite des Landkreises zur Verfügung.
Im Sozialamt ist organisatorisch gesichert, dass die laufenden Leistungen der Grundsiche rung und die Hilfe zur Pflege termingerecht ausgezahlt werden können. Gleiches gilt auch für die Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen.
Das Jugendamt informiert in Zusammenarbeit mit der Pressestelle u. a. über die telefonische Beratungsmöglichkeit bei der Erziehungs- und Familienberatungsstelle, gibt Tipps zur Kinderbetreuung und zum Lernen zu Hause in Zeiten der Corona-Pandemie, weist auf Anlaufstellen bei eskalierenden Situationen hin und informiert u. a. bezüglich der Umgangskontakte bei getrenntlebenden Eltern. Die Pressemitteilungen sind auf der Internetseite des Landkreises nachzulesen.

Berufliche Schulen
Die Schulleitungen in den Beruflichen Schulen des Landkreises sind besetzt. Die Schülerinnen und Schüler arbeiten zu Hause und werden mit Unterrichtsmaterial versorgt. Die Lehrkräfte stehen in Kontakt mit den Schülerinnen und Schülern und mit ihrer Schulleitung. Teilweise arbeiten die Lehrkräfte an den Schulen zum Zweck der Prüfungsvorbereitung. Hier wird auf die Vermeidung von Kontakten geachtet. Die Schulsozialarbeiter/innen und AVdual-Begleiter wurden zur Unterstützung des Gesundheitsamts abgeordnet, sind für die Schülerinnen und Schüler aber telefonisch erreichbar.
Zu den Berufsabschlussprüfungen liegen im Moment noch keine Informationen seitens des Ministeriums und der Kammern vor. Nähere Informationen stellen die Beruflichen Schulen auf ihren Internetseiten zur Verfügung.
Die Baumaßnahmen zur Sanierung der Kaufmännischen Schule Schwäbisch Hall sind nicht beeinträchtigt.

Abfallentsorgung
Nachdem sich gezeigt hatte, dass die notwendigen Abstände nicht eingehalten wurden, mussten die Entsorgungseinrichtungen und Wertstoffhöfe des Landkreises vorübergehend geschlossen werden. Die Abfallwirtschaft hat in dieser Zeit ein Konzept erarbeitet, wie mit dem vorhandenen Personal ein Teil der Einrichtungen wieder geöffnet werden kann.
Landrat Bauer hat veranlasst, dass ab dem 01.04.2020 eine punktuelle Wiedereröffnung erfolgte. Auf den über den Landkreis verteilten wiedergeöffneten Einrichtungen steht jetzt mehr Personal zur Verfügung, um die Abläufe zu regeln und auf die Einhaltung der Abstände zu achten. Die wiedereröffneten Einrichtungen wurden veröffentlicht und sind auf der Internetseite des Landkreises nachzulesen.

Unternehmen und Gastronomie
Die mit 2 Mitarbeitenden besetzte Hotline der WFG für Unternehmen aller Art hat in den letzten 10 Tagen über 200 Unternehmer/innen beraten. 11 Finanzsprechstunden wurden mit dem Digital Hub durchgeführt. Am 07.04. und am 14.04.2020 werden zwei weitere Beratungstage angeboten. Qualifizierte Auskünfte werden in enger Abstimmung mit der Agentur für Arbeit gegeben. So können viele Fragen zum Kurzarbeitergeld bereits vor der Antragstellung geklärt werden. Die WFG hat auch der IHK Heilbronn-Franken Unterstützung bei der Bewältigung der Antragsflut zugesagt. Die Hilfszahlungen sind bereits angelaufen und es muss gewährleistet werden, dass die Soforthilfen zügig in den Wirtschaftskreislauf einfließen.
Die über den Hohenlohe + Schwäbisch Hall Tourismus e. V. erstellte Sonderseite mit mehr als 70 Abhol- und Lieferdiensten in der Gastronomie wurde seit dem 23.03.2020 rund 4.500 Mal aufgerufen. Über Facebook werden rund 17.400 User erreicht. Die Corona-Sonderseite der WFG im Internet www.wfgsha.de zählt seit 20.03.2020 rund 2.300 Zugriffe.

Allgemeinverfügung des Landratsamts Schwäbisch Hall
Auf der Internetseite des Landkreises wurde eine grafische Vereinfachung der Regelungen der Allgemeinverfügung eingestellt

Öffentlichkeitsarbeit
Es erfolgt weiterhin eine offensive Pressearbeit mit täglichen Meldungen und Pressemitteilungen.

Landrat Gerhard Bauer spricht in der derzeitigen sehr schwierigen Situation allen seinen ganz herzlichen Dank aus,


„Ich bin auch sehr dankbar für die vielen privaten oder betrieblichen Initiativen und die unzähligen Ideen und Hilfsangebote, die derzeit aus dem Boden sprießen und die uns Lichtblicke in dieser Zeit verschaffen.“, betont der Landrat. „Gehen bitte auch Sie bei Ihrem Verhalten in dieser Pandemie mit gutem Beispiel voran und bleiben oder werden Sie gesund!“