26.03.2020 Corona-Krise im Landkreis Schwäbisch Hall - Landrat Bauer informiert Kreistagsmitglieder über Maßnahmen
In einem umfassenden Schreiben hat Landrat Gerhard Bauer die Kreistagsmitglieder über die wichtigsten bisher getroffenen Maßnahmen informiert. Ähnlich wie im Hohenlohekreis mussten auch im Landkreis Schwäbisch Hall sogenannte „Hotspots“ festgestellt werden: ein Kleiderbasar in Untermünkheim und ein Blues-Konzert in Gaildorf. Zahlreiche Menschen haben sich außerdem im Ski-Urlaub in Österreich, in der Schweiz und in Norditalien angesteckt und den Virus unwissentlich weiterverbreitet. „Daher bin ich dankbar für die strikten Verordnungen von staatlicher Seite und auch für das Beherzigen der Vorgaben durch unsere Bevölkerung.“, so der Landrat.

Die Landkreisverwaltung arbeitet weiter unermüdlich daran, in Abstimmung mit der Kreisärzteschaft, den Kliniken, den Rettungsdiensten und den Städten und Gemeinden, die Situation zu entschärfen und die Verbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen.

Die wichtigsten eingeleiteten und umgesetzten Maßnahmen bisher:

Tägliche Lagebesprechung und regelmäßige Sitzungen des Koordinierungsstabs
Aufgrund der ersten bestätigten Fälle in Baden-Württemberg wurden bereits Vorkehrungen im Gesundheitsamt und in den Kliniken im Landkreis getroffen und Kontaktdaten für Informationen und Ansprechpartner im Landkreis, auf Landesebene und auf Bundesebene veröffentlicht.
Die Verwaltungsspitze des Landratsamts trifft sich seit dem ersten Fall im Landkreis täglich zu Lagebesprechungen, entscheidet über Maßnahmen und veranlasst die Umsetzung. Der eigens gebildete Koordinierungsstab mit Vertretern/innen der Landkreisverwaltung, der Kreisärzteschaft, der Kliniken, der Rettungsdienste, und der Städte und Gemeinden tagt in regelmäßigen Abständen, bespricht und initiiert weitere notwendige Maßnahmen.

Zentrale Abstrichstellen in Michelfeld und in Crailsheim
Nachdem die Ärzteschaft zunächst signalisiert hatte, die Corona-Tests in separaten Räumen oder bei Hausbesuchen leisten zu können, zeigten sich dann aber Kapazitäts- und Sicherheitsprobleme. Die von der Verwaltung schon vorsorglich vorbereiteten Abstrichstellen konnten deshalb dann schnell umgesetzt werden und der Betrieb konnte am Donnerstag, 19.03.2020, aufgenommen werden. Diese neuen „Drive-ins“ werden sehr gut angenommen und entlasten die Arztpraxen. 
Bei den vorhandenen Abstrichstellen wird zurzeit auch die Einrichtung von Fieberambulanzen geplant. 

Gesundheitsamt
Beim Gesundheitsamt des Landratsamts Schwäbisch Hall, Standort Karl-Kurz-Straße 44, wurde eine Telefon-Hotline mit der dafür notwendigen personellen Besetzung, Technik und Räumlichkeit eingerichtet. Die Hotline Tel. 0791 755 7400 ist werktags von 9 – 18 Uhr und am Wochenende von 10 – 16 Uhr. Für die Hotline werden zusätzliche Mitarbeiter/innen aus anderen Bereichen der Verwaltung eingesetzt und weitere Unterstützung von medizinisch geschultem Personal angeworben. 
Weiter wurde beim Gesundheitsamt eine spezielle Arbeitsgruppe gebildet, deren Hauptaufgabe es ist, die Ansteckungsketten nachzuvollziehen, Kontaktpersonen der Infizierten zu benachrichtigen und das Gesundheitsamt von administrativen Aufgaben zu entlasten. Dazu wurden aus allen Ämtern der Landkreisverwaltung insgesamt über 40 Mitarbeiter/innen abgeordnet.

Landkreisverwaltung
Der Dienstbetrieb der Landkreisverwaltung wurde zunächst für den Publikumsverkehr eingeschränkt. Kunden, insbesondere der Zulassungsstelle, wurden nach telefonischer oder elektronischer Terminvereinbarung am Eingang abgeholt. Aufgrund des abgeordneten Personals und auch aufgrund einiger Mitarbeiter/innen, die sich selbst in Quarantäne begeben mussten, wurde der Dienstbetrieb und der Publikumsverkehr weiter eingeschränkt. Dringende Anliegen werden weiterhin bearbeitet.
Wo möglich, wurden kurzfristig Home-Office-Arbeitsplätze eingerichtet und Mitarbeiter/innen auf Einzelbüros umgesetzt, um die Ansteckung innerhalb der Mitarbeiterschaft zu verhindern, so dass der Dienstbetrieb aufrechterhalten werden kann.
Anstehende Sitzungen des Kreistags und seiner Ausschüsse wurden abgesagt. Die Verwaltung gab Hinweise aufgrund von zahlreichen Anfragen aus den Städten und Gemeinden und von Veranstaltern wegen der Absage von Veranstaltungen aller Art.
Auch der Betrieb der Kantinen im Landratsamt wurde an die neue Situation angepasst und Vorsorge getroffen, dass die notwendigen Abstände eingehalten werden können.

Klinikum Crailsheim
Im Klinikum Crailsheim wurden bereits nach Auftreten der ersten Fälle in Bayern und Baden-Württemberg organisatorische Vorkehrungen getroffen. Ein Verfahrenshandbuch „COVID 19“ wurde in kürzester Zeit für die Mitarbeiterschaft ausgearbeitet.
Ein isolierter Bereich für Corona-Patienten wurde geschaffen. Bei Bedarf können weitere isolierte Bereiche eingerichtet werden, um neue infizierte Patienten aufnehmen zu können. Freie Kapazitäten entstehen durch Absetzung aller planbaren und nicht unbedingt kurzfristig notwendigen Eingriffe. Zum heutigen Stand 25.03.2020 wurden 16 Patienten im Klinikum Crailsheim stationär isoliert behandelt, darunter 7 mit bestätigter Infektion, bei den anderen handelt es sich um Verdachtsfälle. 2 der 16 Corona-Patienten liegen auf der Intensivstation. Die Tendenz ist steigend.
Der Besucherverkehr im Klinikum wurde bereits am 14.03.2020 stark eingeschränkt.
Es wird dingend darum gebeten, dass erkrankte Personen, die sich in Risikogebieten aufgehalten haben oder die Kontakt zu Infizierten hatten, nicht persönlich ins Klinikum oder in eine Arztpraxis kommen, sondern telefonisch Kontakt aufnehmen.

Medizinische Infrastruktur und Grundversorgung
Wegen selbst vom Virus betroffenem Personal kommen nicht nur die Allgemeinarztpraxen, sondern zunehmend auch Praxen von Fachärzten, z. B. Augenärzte und Zahnärzte, an ihre Kapazitätsgrenzen. Die Kreisärzteschaft kümmert sich um eine Verbesserung der Situation. Der ärztliche Bereitschaftsdienst ist über die zentrale Festnetz-Nummer 116117 erreichbar.
Die Ärzte in den Kliniken werden besser untereinander vernetzt, um sich schneller austauschen zu können.
Der Nachschub an Schutzkleidung und Desinfektionsmitteln für die Arztpraxen, Senioren- und Pflegeheime, Behinderteneinrichtungen u.a. wird über das DRK zentral organisiert. 
Derzeit werden leerstehende Räumlichkeiten in Crailsheim und Michelfeld, die dem Landkreis gehören, als Reserve-Einichtungen vor allem für ältere Patienten vorbereitet, die nicht am Virus erkrankt sind. Viele ältere Menschen, die aus dem Krankenhaus entlassen werden, können sich nicht alleine zu Hause versorgen. Auch alleinlebende Seniorinnen und Senioren, die bisher von osteuropäischen Pflegekräften betreut wurden und aufgrund der Reisebeschränkungen nun keine Betreuung mehr haben, können hier untergebracht werden. Die Seniorenheime im Landkreis haben dafür derzeit keine Kapazitäten frei.
Aktuell läuft ein Aufruf zur unbürokratischen Registrierung von Freiwilligen, damit für die Kliniken und für die Versorgung von Seniorinnen und Senioren bei Bedarf zeitnah auf medizinisch geschultes Personal zurückgegriffen werden kann. „Denn wir müssen auf steigende Fallzahlen vorbereitet sein.“, betont der Landrat. 
Die Landkreisverwaltung behält auch die kontinuierliche Versorgung mit Wasser und Strom im Blick und tauscht sich dazu mit den Versorgungsunternehmen aus. 

Schulen, ÖPNV und Abfallentsorgung
Seit 17.03.2020 sind alle Schulen, auch die beruflichen Schulen des Landkreises, geschlossen. Die Mitarbeiter/innen der Schulsozialarbeit in kreiseigenen Schulen werden zur Unterstützung des Gesundheitsamts eingesetzt. Der ÖPNV wurde ab 17.03.2020 auf den Ferienbetrieb umgestellt, und auch der Rufbusverkehr musste inzwischen eingeschränkt werden. 
Die KreisVerkehr Schwäbisch Hall GmbH informiert auf ihrer Internetseite über die aktuellen Veränderungen sowie über die getroffenen Schutzmaßnahmen für die Fahrgäste und das Personal der Busunternehmen https://kreisverkehr-sha.de/aktuelles/corona/.
Der Betrieb in den Entsorgungszentren und Wertstoffhöfen des Landkreises wurde zunächst aufrechterhalten. Nachdem sich aufgrund des unvernünftigen Verhaltens der Kundschaft aber gezeigt hat, dass sich die geforderten Abstände nicht einhalten lassen, wurde der Betrieb dieser Einrichtungen vorübergehend geschlossen. Ein Konzept für den Betrieb einzelner Wertstoffhöfe und Sammelplätze für Baum- und Strauchschnitt mit Sicherheitsvorkehrungen ist in Arbeit. Die Müllabfuhrtermine werden wie geplant eingehalten; statt Gelber Säcke können in dieser Situation auch andere Säcke mit Kennzeichnung zur Abholung bereitgestellt werden. Für Grünabfall kann die Gartentonne beim Amt für Abfallwirtschaft bestellt werden.

Unternehmen und Gastronomie
Bei der WFG - Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises Schwäbisch Hall wurde eine Hotline für Unternehmen aller Art eingerichtet. Hier können sich Unternehmer/innen aus allen Branchen informieren, welche Unterstützung es für sie gibt und wie sie auf die aktuelle Situation reagieren können. Auf der Internetseite der WFG stehen darüber hinaus Informationen über Fördermöglichkeiten zur Verfügung unter:
https://www.wfgsha.de/corona-virus.html
Auf der Internetseite des Landkreises ist ein Formular für Unternehmen eingestellt, womit sie eine Entschädigung wegen Verdienstausfall nach dem Infektionsschutzgesetz beantragen können. Für die Bearbeitung und Weiterleitung der Anträge sind 2 Beschäftigte eingeteilt.
Der Fachbereich Tourismus informiert außerdem auf der Homepage über Gastronomiebetriebe, die Essen zur Abholung anbieten, um den Umsatzausfällen etwas entgegenzuwirken.

Allgemeinverfügung des Landratsamts Schwäbisch Hall
Am 23.03.2020 hat das Landratsamt die Allgemeinverfügung über die häusliche Absonderung und weitere Maßnahmen von infizierten und ansteckungsverdächtigen Personen (Kontaktpersonen) mit dem Corona-Virus erlassen, zu finden unter www.LRASHA.de. Diese Verfügung ergänzt die schon erfolgten Verfügungen von Bund und Land. Aufgrund dieser Allgemeinverfügung müssen u. a. die Ortspolizeibehörden der Städte und Gemeinden die Quarantäne von betroffenen Personen nicht mehr selbst anordnen. 

Öffentlichkeitsarbeit
Schon ab Bekanntwerden der ersten Fälle erfolgte eine offensive Öffentlichkeitsarbeit durch die Landkreisverwaltung. Auf der Homepage des Landkreises wurde ein spezieller „Button“ eingerichtet, in dem alle wichtigen Informationen zusammengestellt und täglich aktualisiert werden. Insbesondere fließen auch die am häufigsten in der Hotline gestellten Fragen (FAQ) und deren Beantwortung in die Öffentlichkeitsarbeit ein. Zahlreiche Pressemitteilungen werden verfasst und Presseanfragen abgearbeitet. Mehrere Pressegespräche haben bereits stattgefunden.
Das Personal der Pressestelle wurde ebenfalls um eine Mitarbeiterin ausgestockt. 

Landrat Gerhard Bauer dankt allen, die in dieser absoluten Ausnahmesituation Zusammenhalt zeigen und sich über ihre normalen Belastungsgrenzen hinaus einsetzen, um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern und die Versorgung der Bevölkerung zu gewährleisten. „Gemeinsam schaffen wir es, diese Krise zu stemmen.“
Daher bittet der Landrat auch die Kreistagsmitglieder, mit gutem Beispiel voranzugehen.

Auf der Internetseite des Landkreises www.LRASHA.de steht inzwischen auf der Startseite folgende Aufruf des Landrats: 
„Das Verhalten jedes einzelnen zählt jetzt so sehr wie nie zuvor! Bleiben Sie zu Hause! Wenn das nicht geht, halten Sie bitte Abstand und vermeiden Sie Sozialkontakte. Erledigen Sie so viel wie möglich telefonisch oder elektronisch und beachten Sie die bestehenden Regelungen! 
Lassen Sie uns diese Krise gemeinsam stemmen und gemeinsam durchhalten! 
Bleiben oder werden Sie gesund!

Landkreis Schwäbisch Hall  - Wir HALLten durch!“